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Shoto-Kempo-Ryu ist ein traditionelles Budo-Kampfkunstsystem auf der
Grundlage des Shorinji-Kempo, klassischen Karatedo und Zen. Ein ganz
zentraler Schwerpunkt dieses Systems ist neben seiner technischen
Vielfalt und Variation sein "geistiger" Anspruch. Das Verständnis vom
rechten Betreiben der Kampfkunst als Do, als einen körperlich-geistigen
und spirituellen Schulungsweg des ganzen Menschen, hebt diese
Kampf-Kunst über Kampf-Sport weit hinaus. Der Wettkampf und die Bewertung
rein äußerlicher Leistungskriterien werden als "Verwestlichung" des
originären Kempo/Karate-Do betrachtet. Die wahre Kunst des Kampfes ist
nicht einen Gegner, sondern sich selbst zu besiegen. Daher beruht im
Shoto-Kempo-Ryu die Bewertung des individuellen Erfolges auf der Betonung
innerer Werte, die sich aus der intensiven Praxis ergeben. Die
Auseinandersetzung selbst, die Entwicklung, Reifung und das persönliche
Wachstum begründen den eigentlichen Fortschritt in der Kampfkunst.
Neben den
Lehrinhalten im Bereich Kihon, Kata, Kumite, Kobudo, sowie Za-Zen und T'ai
Chi nimmt Mondo (das Lehrgespräch) eine besondere Rolle ein, in der die
theoretischen Fragen und Probleme der Schüler auf dem Weg mit dem Meister
erörtert werden. Die Übertragung der moralisch-ethischen Prinzipien (wie
z.B. der Friedfertigkeit gegenüber Mensch, Tier und Natur) und Budo-
Tugenden (wie z.B. der Demut, Bescheidenheit und Großherzigkeit) auf das
eigene Leben stehen dabei im Vordergrund. Es wird großer Wert auf die
Einhaltung der Dojo- und Lebens-Regeln, der "Et(h)ikette" sowie eine
besondere Lehrer-Schüler-Beziehung gelegt. Shoto-Kempo-Ryu begreift sich
als Weg zum Friedvollen Krieger.
Laut
Budo-Lexikon (Berlin 1997) ist Shoto-Kempo-Ryu "ein psychoesoterischer
Karatestil" und als "Variante des Shorinji-ryu und Shotokan-ryu" (S.797)
einer der "wichtigsten Stile mit der Bezeichnung >Kempo<" (S.449). Ferner
wird sie aber auch gesehen als eine "moderne Kampfkunst auf der Basis
psychologischer Erziehungsgrundlagen" (S.797), "gegründet von Jörg-Michael
Wolters" (S.420), Hanshi, einem "Wegbereiter des Karate in Deutschland"
(S.425), der sich auch besonders einen Namen gemacht hat vor allem unter
dem Zeichen "Karate gegen Gewalt" (S.450).
Text vom Stilbegründer:
Dr. phil. Jörg-Michael Wolters (siehe Foto) |
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