Shôtoku Taishi
Hausarbeit
vorgelegt an der
Fachhochschule Ludwigshafen
Abteilung Marketing Ostasien- Japan
vorgelegt von
Thomas Osburg
Ludwigshafen, den 17.01.2002
Inhaltsverzeichnis
Thema Seite:
Einleitung 1
1. Wer war Shôtoku Taishi? 3
2. In was für einer Zeit lebte er? 7
3. Sein Wirken. 11
Schlusswort 16
Literaturverzeichnis
Einleitung:
,,Shôtoku Taishi", gibt man diesen Begriff in eine der vielzähligen Internet
Suchmaschinen ein so wird man geradezu erschlagen von Berichten über diese
Person. Besonders auffällig hierbei ist jedoch die große Vielfalt an
Themengebieten, die im Zusammenhang mit diesem Namen genannt werden können.
Entweder es wird über einen großen Politiker bzw. Reformers des altertümlichen
Japans berichtet, oder der Vater des japanischen Buddhismus wird vorgestellt
oder es wird sogar von einer mythischen Person des Altertums mit
übermenschlichen Kräften geschrieben. Dies ist jedoch nur eine kleine Auswahl an
Fähigkeiten und Tätigkeitsgebieten, die der Person Shôtoku Taishi zugeschrieben
werden. Solch eine Mannigfaltigkeit zeigt welch starke Stellung diese Person in
der Geschichte Japans gehabt haben muss und wie sehr sie noch heute im
Blickpunkt des Interesses steht. Doch woher rührt nun diese besondere
Berühmtheit Shôtoku Taishis? Und wie hoch kann man den Wahrheitsgehalt solcher
Berichte einstufen?
Diese und noch mehr Fragen möchte ich mit meiner Arbeit versuchen zu klären.
Hierfür habe ich den vorliegenden Text in 3 Hauptteile gegliedert
In Punkt 1 werde ich anhand einer kleinen Biographie genauer darauf eingehen, wer Shôtoku Taishi war, wer ihn beeinflusste und wen er beeinflusste. Hier sollten die Soga Familie und Kaiserin Suiko genannt werden.
In Punkt 2 werde ich genauer auf die Zeit - die Asuka-Ära - eingehen in die Shôtoku Taishi hineingeboren wurde. Wer herrschte in Japan und wie sah diese Herrschaft aus.
In Punkt 3 behandle ich die vielen Tätigkeitsbereiche die Shôtoku Taishi meist sehr erfolgreich betrieb. Hier sollten neben der Politik auch seine Schriftstellerischen Leistungen und sein Engagement für den Buddhismus in Japan genannt werden.
Im Schlussteil werde ich die Bedeutung Shôtoku Taishis für die heutige Zeit betrachten.
1. Wer war Shôtoku Taishi?
Links: Das älteste noch erhaltene Portrait Shôtoku Taishis in Japan. Es zeigt
Shôtoku Taishi und seine 2 Söhne, Yamashiro und Eguri no Ôe
Unten: Shôtoku Taishi unterwegs von seiner Residenz in Ikaruga zum Kaiserpalast in Asuka
Wer war Shôtoku Taishi?
Glaubt man den Aufzeichnungen des Nihon Shoki1( das 720 von Gelehrten
Mönchen in chinesischer Schrift verfasst wurde), so war Shôtoku Taishi eine
überaus charismatische und mit überragender Intelligenz und Auffassungsvermögen
ausgestattete Person. So soll er z.B. die Gabe besessen haben, zehn
Staatsmännern die ihm alle gleichzeitig ein jeweils vom anderen verschiedenes
Thema vortrugen, zuhören zu können und danach jedes einzelne Thema mit dem, der
dies vorgetragen hatte einzeln zu behandeln. Es waren jedoch nicht nur seine
eigenen Fertigkeiten, die ihn so außergewöhnlich machten. So wurde er z.B. auf
seinen Reisen zwischen seiner Residenz in Ikaruga (heute Osaka) und dem
Regierungspalast auf dem Rücken eines geflügelten Pferdes durch die Lüfte
getragen. (siehe Bild oben rechts)
Ob man nun solche Legenden sonderlich viel Authentizität nachsagen kann, muss
wohl stark bezweifelt werden. Was etwas genauer fundiert ist, sind folgende
Daten.
574 n.chr. wurde Umayado no Toyotomimi no Mikoto als Sohn des zukünftigen
Kaisers Tachibana no Toyohi2 oder besser bekannt unter seinem
Kaiserlichen Namen Yômei (? bis 587) und der Prinzessin Anahobe no Hashihito no
Himemiko (? bis 622) geboren und war somit ein Kronprinz des Reiches Yamato.
Laut dem Nihon Shoki verdankte Shôtoku Taishi seinen ursprünglichen Namen der
Begebenheit, das seine Mutter gerade als sie den Pferdestall inspizieren wollte,
plötzlich und ohne Anstrengungen von ihm entbunden wurde3. Daher
Umayado no Miko: Prinz vom Pferdestall.
Er wird in der Literatur noch unter anderen Namen erwähnt, jedoch zur
nationalen, religiösen und geschichtlichen Berühmtheit, gelang er unter dem
Namen Shôtoku Taishi (Prince of sagely virtue). Auch wenn dieser Name erst im 8.
Jahrhundert (706) als Inschrift im Hokkiji Tempel das erstemal erwähnt wurde.
Als 587 Shôtoku Taishi´s Vater Kaiser Yomei starb, entbrannte ein 1 jähriger
starker Machtkampf zwischen den pro buddhistischen Soga unter Führung Soga no
Umako´s und den pro shintôistischen Mononobe unter Führung Mononobe no Moriya´s.
Shôtoku Taishi kämpfte zusammen mit anderen Prinzen an der Seite der Soga. Auch
wenn sich dieses Kämpfen nur auf beten zu Buddha für den Sieg des Soga Clans
beschränkte, so wurde dies doch, von Soga no Umako nach seinem Sieg über die
Mononobe und ihren Verbündeten, mit ehemaligen Besitztümern der Besiegten
entgolten. Diese spendete er jedoch später dem Hôryuji Tempel.
Durch seinem Sieg, konnte Umako seinen Neffen Sushun im Jahre 588
inthronisieren. Doch nach gerademal 5 Jahren der Regierung ließ Umako, Sushun
trotz Blutsverwandtschaft nach einer Fehde ermorden.
Als nächster Kaiser wurde dieses mal, wohl um weitere -störende- Einmischungen
des Souveräns in Umako´s Pläne zu verhindern, eine Frau ausgewählt. Es war Suiko
(Toyomike Kashikiya-hime), die Witwe des ermordeten Kaisers Bidatsu und Nichte
Umako´s, die nun den Thron bestieg. Damit wurde sie 592 zur ersten weiblichen
Kaiserin Japans, von der es bewiesen ist, das sie wirklich existierte. 593
entschloss sie sich, sich aus der Politik herauszuhalten und ernannte auf
drängen Umako´s Shôtoku Taishi, anstatt eines ihrer eigenen Kinder zu ihrem
Regenten. Mit dieser Entscheidung wollte sie wohl verhindern so zu enden wie ihr
Vorgänger. Shôtoku Taishi wurde wohl aufgrund seines großen Engagements für den
Buddhismus und seiner Bewandtheit in religiösen und politischen Dingen, sowie
seinem engen Verwandschaftsgrad mit Umako, der sein Onkel väterlicher-, sowie
mütterlicherseits war, ausgewählt. So geschah es dann, dass er im Alter von
gerademal 20 Jahren an der Spitze der Macht angelangt war. In dieser Position
wuchs er zu einer wichtigen Persönlichkeit mit großer Macht an, deren Höhepunkt
er im Alter von ungefähr 30 Jahren erreichte. Diese Macht nutze er auch reglich
aus und sorgte dafür, das die politischen Beziehungen zu China wieder im vollen
Maße aufgenommen wurden. Durch diese Wiederaufnahme kam es zu einem regelrechten
aufsaugen chinesischer Kultur. Angefangen bei dem weiter fortgeschrittenen
Staatswesen bis hin zu den handwerklichen Fähigkeiten, alle neuen Eindrücke
wurden eifrig studiert, japanisiert und eingeführt. Zu diesem Zwecke, schickte
Shôtoku Taishi mehrere Gesandtschaften in das Reich der untergehenden Sonne.
Aber er war auch selbst den Buddhismus und Konfuzianismus lehrend tätig und soll
der erste Japaner gewesen sein, der die Hokekyô (oder Lotussutra), Yuima und
Shôman Sutren komplett verstanden hat und Kommentare zu diesen 3 Sutren
schreiben konnte.
Weiterhin soll er 12 Fähigkeitsränge, nach chinesischem Vorbild geschaffen und
eine 17 Artikel umfassende Verfassung geschrieben haben4. Auffällig
wird dann das von Shôtoku Taishi in den letzten Jahren seines Lebens, um genau
zu sein von 605, als er seine Residenz in Ikaruga bezog, bis er 622 im Alter von
etwa 50 Jahren in Ikaruga no Miya starb. So wurde im Nihon Shoki in diesem
Zeitraum nur 5 mal sein Name erwähnt.
Er hinterließ seine Frau Tajiko no Iratsume (eine Tochter Soga no Umako´s) mit
zwei Kindern Yamashiro und Eguri no Ôe, die von ihm in gang gesetzten
Veränderungen und eine durchweg glorifizierende Darstellung seiner
Persönlichkeit.
2. In was für einer Zeit lebte Shôtoku Taishi?
In der Geschichte Japans sah es zweimal so aus als hätten die Japaner fast ihre
komplette Kultur zugunsten einer neuen, von außen zugeführten Kultur aufgegeben.
Dies geschah zum einen während der Meiji-Restauration 1868 im Sinne einer groß
angelegten Europäisierung Japans. Zum anderen geschah dies während der
Yamato-Ära (300 - 710 n.Chr.) an deren Ende, der Asuka-Zeit (552-662) Shôtoku
Taishi als Regent Kaiserin Suikos politisch aktiv war und Japan die chinesische
Kultur geradezu aufsog.
Doch sah es zu beginn der Yamato Zeit noch ganz anders aus. Es war eine Zeit in
der sich allmählich eine zwei Klassen Gesellschaft, bestehend aus einer kleinen
herrschenden Militärischen Elite und einem Gross an agrarbetreibenden
Untergebenen entwickelte. Seit dem 4. Jahrhundert kann man allgemein von zwei
Gruppen sprechen, den Uji und den Be. Innerhalb eines
hierarchischem Systems von Abstammungen schlossen sich große blutsverwandte
Adelsgeschlechter zu einer Art Clan, gemeinhin Uji genannt zusammen.
Diese Uji, sammelten sich um die Hauptlinie des Yamato Geschlechts das
als direkter Abkömmling der Götter verehrt und geachtet wurde. Doch so mächtig
die Uji auch waren, sie brauchten die Unterstützung der anderen, der
zweiten Klasse. Das waren die Bauern, Handwerker... die Be. Diese waren
in Dorfgemeinschaften Organisiert, denn der extreme Aufwand, den eine
Bewirtschaftung von Nassreisfeldern mit sich brachte5, war für eine
einzelne Familie nicht zu bewältigen. Die Ujis die einige der heutigen
Provinzen beherrschten, schlossen sich in einer Art militärisch-politischer
Konföderation zusammen. Im sechsten Jahrhundert waren dann die ersten
Anstrengungen zur Entwicklung eines geeinten Regierungssystems erkennbar
geworden.
Die Hauptlinie der Yamato Uji ernannte sich selbst zum Sumera-Mikoto
(Wahrer Landsherr). Ausgestattet mit der Abstammung von der Sonnengöttin
Amaterasu, sowie den Herrschaftsinsignien Spiegel, Schwert und Juwel behauptete
es seine politischen Herrschaftsansprüche über den Verband der Uji-Altesten
und forderte Unterstützung in militärischen und wirtschaftlichen Belangen durch
einen Dienstadel. Ein Rangsystem, das in der Literatur unter dem Namen des
Uji-Kabane Systems bekannt ist6,wurde ins Leben gerufen und den
Familien verliehen, die der Hauptlinie der Yamato-Uji am nächsten
standen. Das gesamte Land wurde in sogenannte Kuni eingeteilt, die in
etwa den Einflussbereichen der größeren Uji entsprachen. Die jeweiligen
Clan-Ältesten wurden zu Gouverneuren dieser Kunis ernannt und durch
Militäraktionen wurde der Machtbereich Yamatos weiter ausgebaut und gefestigt.
So unterhielt Yamato schon seit Ende des 4. Jahrhunderts eine Kolonie, namens
Mimana im Süden der Koreanischen Halbinsel. Diese war nicht nur wegen Ihrer
militärischen Aspekte sondern vielmehr auch wegen der Möglichkeit der Aneignung
neuem Wissen und Übernahme gelernter Arbeitskräfte, von Interesse. Doch das was
wir heute unter Korea verstehen, bestand zu diesem Zeitpunkt aus vier Ländern:
Koguryô, Silla, Paekche und das schon erwähnte Mimana. Im Laufe der Geschichte
verbündete sich Yamato -wahrscheinlich wegen der günstigen Lage und dem wohl
höheren stand der Kultur- am häufigsten mit Paekche. Doch als Silla 532 Paekche
überrollte, verlor das Japan der Yamato Zeit die hälfte Mimanas. 562 musste der
Vorposten auf der Halbinsel endgültig aufgegeben werden. Jedoch suchten nicht
nur die Yamato Herrscher nach wirtschaftlicher Expansion, die Uji Führer
verstärkten ebenfalls sehr bald die Kontrolle über die Arbeitskräfte und
Ertragsquellen in ihren Gebieten. Während das ,,Sonnengeschlecht" eine straff
organisierte Zentralstaatsform aufzubauen versuchte, besaßen die Uji
Führer bald soviel Macht, dass sie das Oberhaupt des Sonnengeschlechts geradezu
entmachteten und damit begannen sich aus der Konföderation zu lösen und
erklärten ihre Kuni als unabhängig. Das auf Familienbanden und
shintoistischen Glauben mühsam aufgebaute Yamato Reich schien zu zerbröckeln.
Die Notwendigkeit eines neuen Regierungssystems und eine neue Ideologie war
unübersehbar. Hier kamen die Entwicklungen im so bewunderten China gerade recht.
China schaffte es in überwältigender Form den maroden Regierungsapparat wieder
zu sanieren und die Stellung des Kaisers durch den Buddhismus zu stärken. Als
der damalige Herrscher Yamatos, Kinmei mitte des 6. Jahrhunderts ein Bild
Buddhas, sowie einige buddhistische Schriften und einen Brief, in dem der
Herrscher Paekches den Buddhismus empfiehlt, von diesem mit der Bitte um Hilfe
im Kampf gegen Silla empfing, fragte er seine Berater ob denn dieser neue Glaube
angenommen werden sollte. Diese Frage sollte das Yamato Reich spalten. Denn die
Uji Führer sahen ihre Machtansprüche dahinschwinden, da diese ja auf der
Abstammung von bestimmten Kami7 beruhte. Es bildeten sich zwei
Gruppen, die Anti-Buddhistischen Mononobe auf der einen und die
Pro-buddhistischen Soga auf der anderen Seite.
Dieser Kampf sollte einige Jahrzehnte dauern. 587 jedoch löschten, wie oben
schon erwähnt, die Soga unter der Führung Soga no Umako´s die Mononobe aus und
sicherten damit die Annahme der neuen Religion. 592 konnte, der laut
Überlieferungen als äußerst skrupellose, Umako den Mord an dem Yamato Führer
Sushun(sein Neffe) arrangieren und setzte seine Nichte Suiko auf den Thron. Als
Regent wurde Shôtoku Taishi ausgewählt. Seine Taten und Werke - sowie unter
anderem sein Sohn - sollten dafür sorgen, dass das was er nicht zu tun
vermochte, nämlich eine umfassende Politische Reform, an deren Ende die
Annerkennung des Herrschers im Sinne eines Kaisers und einem Hofstaat nach
chinesischem Vorbild, im Jahre 645/46 verwirklicht wurde. Die Taika Reform wurde
Ausgerufen und damit begann die 1. politische, 2. religiöse und 3. kulturelle
Assimilierung Chinas.
3. Sein Wirken
Glaubt man den ,Aufzeichnungen im Nihon Shoki und Kojiki, so müsste man Shôtoku
Taishi heutzutage, als ein allround Talent bezeichnen. Er war sowohl auf dem
politischen, als auch auf dem religiösen Parkett zuhause, aber auch als Bauherr
und Schriftsteller machte er sich einen Namen. Wenden wir uns jedoch zuerst
seinen politischen Leistungen, was zu dieser Zeit auch die Religion bzw.
Glaubensgrundsätze implizierte, zu. So ist einer der ihm zugeschriebenen
Verdienste sein großes Bemühen um die Wiederaufnahme der ins Stocken geratenen
Beziehungen zum chinesischen Sui-Hof, der in China demonstrierte, wie das von
Shôtoko angestrebte Ziel der Landeseinigung mit zentralistischer Regierung zu
funktionieren hatte.
Durch die Wiederaufnahme der Beziehungen konnten aber nicht nur politisches,
sondern auch kulturelles und technisches Wissen eingeführt werden. Shôtoku, wird
in den Quellen als sehr belesen und intellektuell beschrieben. Dies war wohl
auch ein Grund, warum er sich mit den Lehren des chinesischen Konfuzianismus
beschäftigt hatte. Dieses und sein ebenfalls großes Wissen in Sachen Buddhismus,
nutzte ihm insofern sehr viel, als dass er dieses Wissen benutzte um 604, seine
,,Konstitution der 17 Artikel" (kempô jûshichijô). Fertigzustellen. So
dass diese ,,Verfassung" Hauptsächlich aus Grundsätzen aus den buddhistischen
und konfuzianischen Lehren bestand. Das Problem lag darin, dass der in Yamato
noch sehr starke und vorherrschende Shintô Glaube nur äußerst schwer mit der
neuen Weltanschauung zu verknüpfen war. ,,Indem Shintô Gottheiten als
Manifestatitionen Buddhas betrachtet wurden"8 konnte Shintô neben
Buddhismus und Konfuzianismus existieren.
Shôtoku schrieb in den ,,17 Artikeln" nieder, wie er sich ein zukünftiges Yamato
vorstellen könne. Seine Hauptabsichten, lagen neben seinem persönlichem
Interesse am Buddhismus und den Konfuzianistischen Tugenden darin, dass er durch
die Einführung dieser Verfassung die uneingeschränkte Loyalität gegenüber dem
Kaiserhaus fordern konnte. Jedoch wollte er so auch das Ansehen und die Macht
des Kaiserhauses stärken bzw. es zum Hohepriester der kami Anbetung
machen.
So sollte man festhalten, daß diese Konstitution keine Verfassung oder ein
Grundgesetz im eigentlichen Sinne war, sondern eher eine Erfassung von
moralischen und politischen Prinzipien9. Letztendlich, war die 17
Artikel Verfassung ein Versuch, politische Verwaltung und Religion so neu zu
strukturieren, dass ein neues, verbessertes, Kaiserreich mit zentraler Regierung
entstand.
Da Shôtoku Taishi den Shintô in seiner Konstitution wörtlich nicht erwähnte,
unterstrich er im Jahr 607 in einem neuen Erlaß dessen Wichtigkeit und ließ
verlauten, daß er seine alten Funktionen beibehalten solle.
Eine weitere, wenn auch kleinere politische Leistung war indes die Einführung
der sogenannten ,,Fähigkeitsränge"10. Eine zwölfstufige Rangordnung
der Minister und Beamten des Hofes. Hierbei wurden die verschiedenen Ränge durch
12 unterschiedliche Kopfbedeckungen mit vorgeschriebenen Mustern und Farben
symbolisiert. Die Ränge waren in der Reihenfolge der Fünf Elemente (Gogyô)
angeordnet und nach den konfuzianischen Tugenden benannt: toku, jin,
rei, shin, gi und chi, je in großer und kleiner
Ausführung als Symbol für die Kardinaltugend, Humanität, Ergebenheit, Güte des
Herzens, Pflichttreue und Weisheit.
Die Titel des Adels wurden, abermals mit dem Ziel der Loyalitätsbindung, in
offizielle Grade des Hofsadels umgewandelt um den Aristokraten zu zeigen, daß
ihre Ämter nicht an ein von Geburt gegebenes Recht allein, sondern auch an den
Willen des Souveräns gebunden war.
Das Wirkungsfeld, für das Shôtoku Taishi hauptsächlich seine Bekanntheit
genießt, ist die Förderung des Buddhismus und seine damit verbundenen
Schriftstellerischen Leistungen. Wie oben erwähnt hatte der Buddhismus sein
starkes Wachstum in Japan dem Schutz des Soga-Klans und in der Initiative
Shôtoku-taishi´s zu verdanken.
Shôtoku hatte schon früh begonnen, sich auf eine Bitte der Kaiserin Suiko näher
mit den buddhistischen Schriften zu beschäftigen. Diese und klassische
Chinesische Lteratur wurden zum Hauptinteresse seines intensiven Studiums. Sein
Kenntnisstand erreichte schließlich den Punkt, an dem er den Buddhismus in
seinem eigentlichen Sinne zu verstehen glaubte. So gab er, außer daß er Tempel
und Klöster bauen ließ, auch Vorträge über wichtige buddhistische Sutren und
verfasste als der erste Japaner, der die Hokekyô (oder Lotussutra), Yuima und
Shôman Sutren komplett verstehen konnte, Kommentare zu diesen 3 Sutren 11
Wie wichtig ihm diese Lehre wurde, zeigt sich zum einen in dem zweiten Artikel
seiner ,,Verfassung der 17 Artikel" in welchem er fordert:
II. "With all your heart, revere the three treasures. The three treasures, consisting of Buddha, the Doctrine and the Monastic Order, are the final refuge of the four generated beings,..."12
und zum Anderen in der Großen Anzahl von Tempeln, die er bauen ließ.
Eines der wichtigsten Beispiele hierfür ist der Hôryûji Tempel Bei Nara, die Heute sogar eine Gedächtnis Halle für Shôtoku Taishi beinhaltet.
Die ursprünglichen Gebäude sollen im Jahre 607 errichtet worden sein, sind aber schon kurze Zeit später niedergebrannt. Die jetzige Anlage wurde im 7. Jahrhundert erbaut und ist berühmt als die älteste Holzstruktur der Welt13.
Weiterhin sollten noch der Shitennôji im heutigen Osaka, der 588
gegründet wurde und der Hôkiji(685), genannt werden.
Das einzigste Gebäude des Shitennôji Tempels das im Krieg nicht zerstört wurde

Die Shitennôji Tempelanlage soll, laut Nihon Shoki, aus einem Gelübde Shôtoku
Taishi´s heraus entstanden sein. Wie oben erwähnt, kämpfte Shôtoku Taishi an der
Seite Soga no Umako´s im Kampf gegen die Mononobe. Gerade als es so aussah, als
würden Umako´s Truppen besiegt, schnitze Shôtoku Taishi Abbilder der
(buddhistischen) ,,Four Heavenly Kings"14- Shitennô, steckte sich
diese in seinen Haarknoten und gelobte einen Tempel zu errichten, wenn Umako
doch noch siegen würde. So geschah, laut Nihon shoki, dann auch und Shôtoku
Taishi ließ den Shitennoji (Tempel der 4 himmlischen Könige) errichten und
,,stiftete" die hälfte der Sklaven Mononobe´s, sowie dessen Haus dem Tempel.
Und nicht zu Letzt, wird Shôtoku Taishi die Namensgebung Japans zugeschrieben.
Als er 607 eine Gesandtschaft an den Chinesischen Hof schickte, ließ er, um sich
mit dem Chinesischen Kaiser gleichzustellen, von Ono no Imoko einen Brief
überbringen, der mit den Worten: ,,from the ruler of the Land of the rising Sun
to the emperor of the Land of the setting Sun"15 an den Kaiser
adressiert war. Aus der Chinesischen Lesung der Zeichen entstand dann das Wort
Nippon oder Nihon mit dem Japan seit dem bedacht wird.
Literaturverzeichnis:
Hammitzch Horst: Japan Handbuch
Franz Steiner Verlag Stuttgart, 3. Auflage 1990
Inoue, Kiyoshi:Geschicht Japans
Campus Verlag Frankfurt/New York1993
ISBN 359-34845-4
Kinder, Hermann/ Hilgemann, Werner: dtv-Atlas zur
Weltgeschichte-
Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart, Band 2, 23. Auflage,
München: Deutscher Taschenbuchverlag GmbH & Co. KG 1989
Kodansha Encyclopedia: Encyclopedia of Japan 1-9
Kodansha Ltd 1983
Lu, David j.: Japan A Documentary History the dawn of
Historx to the late Tokugawa Period, " An East Gate Book" 1997
ISBN 1-56324-907-3
Murakami Hyoe, Thomas j. Harper: Great Historical Figures
of Japan
Japan Culture Institute 1978
ISBN 0-87040 431-8